Der Lamborghini Miura S ist die Variante, an der man am besten erkennt, wie aus einem radikalen Entwurf ein reifer Supersportwagen wurde. Er verbindet die frühe Miura-Form mit mehr Leistung, etwas mehr Komfort und genau den Detailänderungen, die für Fahrer und Sammler heute den Unterschied machen. Wer diese Version versteht, versteht auch, warum der Miura bis 2026 als Blaupause für viele spätere Traumwagen gilt.
Die wichtigsten Punkte zum Miura S auf einen Blick
- Die S-Version ist die überarbeitete Ausbaustufe des ursprünglichen Miura und steht für mehr Leistung und mehr Alltagstauglichkeit.
- Der V12 leistet rund 370 PS, also etwa 20 PS mehr als beim P400.
- Lamborghini nennt für den P400 S rund 338 gebaute Exemplare, damit bleibt er selten, aber nicht extrem exotisch.
- Typische Merkmale sind elektrische Fensterheber, mehr Chrom, eine überarbeitete Innenausstattung und optionale Klimaanlage.
- Auf dem Sammlermarkt zählt vor allem Originalität, Dokumentation und ein sauber nachvollziehbarer Zustand.
- Die S-Version gilt für viele als der beste Kompromiss aus früher Miura-Radikalität und besserer Nutzbarkeit.
Was die S-Version vom ersten Miura trennt
Die erste Miura-Generation war schon eine Sensation, aber der S war der Schritt, der das Auto noch etwas erwachsener machte. Genau das ist der Punkt: Ich sehe in der S-Version keine bloße Leistungsstufe, sondern die Antwort auf die Schwächen des frühen Autos. Mehr Leistung, bessere Bedienung und kleine Komfortgewinne machten den Wagen nicht weich, sondern stimmiger.
Technisch blieb der Grundaufbau gleich: quer eingebauter V12 im Heck, manuelles Fünfganggetriebe, kompromisslose Optik und ein Layout, das damals fast wie aus der Zukunft wirkte. Gleichzeitig wurde die Abstimmung spürbar verfeinert. Die Ansaugtrakte wurden größer, die Nockenwellen geändert und die Leistung auf rund 370 PS angehoben. Das ist aus heutiger Sicht kein dramatischer Sprung, im Kontext der späten 1960er aber sehr wohl ein relevanter Unterschied.
Auch die Stückzahlen zeigen die Einordnung gut. Der ursprüngliche P400 war die radikale Urform, der S wurde häufiger gebaut und blieb trotzdem selten genug, um Sammler zu reizen. Das erklärt, warum diese Variante oft als die vernünftigste Miura-Version bezeichnet wird: nicht die extremste, aber die ausgewogenste. Und genau dort setzt die Frage an, wie sich das Auto tatsächlich fährt.
| Merkmal | P400 | P400 S | Praktischer Effekt |
|---|---|---|---|
| Leistung | 350 PS | 370 PS | Mehr Reserven, vor allem im mittleren und oberen Drehzahlbereich |
| Komfort | Puristischer | Mehr Ausstattungsdetails | Etwas angenehmer auf längeren Strecken |
| Elektrische Fensterheber | Nein | Ja | Ein kleines Detail, das den Charakter im Alltag deutlich verändert |
| Klimaanlage | Selten bzw. nicht vorgesehen | Optional verfügbar | Wichtig für Sammler, die das Auto nicht nur anschauen wollen |
| Produktion | 265 Stück | 338 Stück | Der S ist seltener als viele moderne Exoten, aber besser verfügbar als der Ur-Miura |
Diese Unterschiede wirken auf dem Papier klein. In einem Auto dieser Klasse sind sie aber genau die Art von Detailarbeit, die aus einem spektakulären Einzelstück einen runder wirkenden Klassiker macht. Als Nächstes lohnt sich deshalb der Blick darauf, wie sich der Miura S auf der Straße anfühlt.
Wie sich der Miura S auf der Straße anfühlt
Der Miura war schon in seiner Grundform ein Auto, das nicht einfach nur schnell war, sondern ungewöhnlich gebaut. Der quer montierte V12, die zentrale Gewichtsverteilung und die enge Packaging-Architektur machen ihn bis heute faszinierend. Der S nutzt genau diese Basis, ergänzt sie aber mit etwas mehr Laufkultur und einem Hauch mehr Gelassenheit.
Ich würde den Fahreindruck so zusammenfassen: Der S bleibt ein analoges, forderndes Auto, aber er ist nicht mehr ganz so kompromisslos wie der erste P400. Die Kraftentfaltung wirkt freier, das Auto hängt besser am Gas, und die zusätzlichen Ausstattungsdetails nehmen dem Fahrer im Alltag ein wenig Druck. Trotzdem gilt weiterhin: keine Assistenzsysteme, keine Filter, keine Fehlerverzeihung auf modernem Niveau. Wer den Miura S bewegt, fährt immer mit Aufmerksamkeit.
Besonders wichtig ist die mechanische Sensibilität. Motor, Getriebe und Differential teilen sich beim Miura in klassischer Form eine enge technische Umgebung, und genau deshalb hängen Fahrfreude und Servicequalität so stark zusammen. Ein gut gewarteter S fühlt sich erstaunlich lebendig an. Ein vernachlässigter dagegen kann schnell ruppig, heiß und nervös wirken. Das ist kein Makel, sondern die Realität eines echten Supersportwagens aus einer Zeit, in der Ingenieure noch viel weniger Kompromisse machten.
Auf der Landstraße zählt deshalb nicht nur Geschwindigkeit, sondern Rhythmus. Der Miura S will sauber warmgefahren, präzise geschaltet und ohne Hektik bewegt werden. Wer das akzeptiert, erlebt nicht nur Leistung, sondern auch Charakter. Und genau dieser Charakter zeigt sich im Design fast noch stärker als in der Fahrdynamik.

Woran man den Miura S äußerlich und innen erkennt
Beim Miura S sind die Änderungen nicht laut, sondern fein gesetzt. Das ist für mich ein Teil seines Reizes: Man muss hinschauen, statt nur auf große Spoiler oder aggressive Verbreiterungen zu warten. Gerade dadurch wirkt der Wagen heute so edel und klar.
- Mehr Chrom an den Fenster- und Scheinwerferrahmen sorgt für einen etwas hochwertigeren Auftritt.
- Elektrische Fensterheber sind eines der einfachsten Erkennungsmerkmale im Innenraum.
- Die neue Dachkonsole mit Schaltern und Bedienelementen verändert das Cockpit spürbar.
- Optionale Klimaanlage macht den S für Sammler interessant, die das Auto tatsächlich fahren wollen.
- Überarbeitete Reifen- und Radhauskonfiguration gibt dem Heck etwas mehr Substanz.
- Verfeinerte Details an Fronthaube, Heckabschluss und Instrumentierung zeigen den Schritt zur zweiten Entwicklungsstufe.
Der Innenraum ist dabei besonders wichtig, weil dort die S-Version ihren eigentlichen Auftrag erfüllt: den Miura weniger skulptural, aber benutzbarer zu machen. Das ist kein Luxus im oberflächlichen Sinn, sondern ein echter Mehrwert für ein Auto, das immer auch als Fahrmaschine gedacht war. Genau diese Mischung aus Schönheit und Nutzbarkeit ist der Grund, warum der Markt den S so ernst nimmt.
Warum der Miura S auf dem Sammlermarkt so stark bleibt
Die Nachfrage nach dem Miura S hat mit Nostalgie allein wenig zu tun. Entscheidend sind drei Dinge: historische Bedeutung, geringe Stückzahl und die Tatsache, dass das Auto die Miura-Idee sehr gut zusammenfasst. Es ist die Version, die viele Enthusiasten instinktiv wählen würden, wenn sie nur einen Miura besitzen dürften.
2026 sieht man das auch an den Preisen. Gute P400-S-Exemplare liegen inzwischen leicht im siebenstelligen Bereich in US-Dollar, und wirklich starke Autos mit sauberer Historie bewegen sich deutlich höher. Hagerty führt gute Fahrzeuge aktuell in einer Größenordnung von rund 2,55 Millionen US-Dollar, was die Marktposition ziemlich klar beschreibt: Der S ist kein Preisnachzügler, sondern eine der begehrtesten Miura-Varianten überhaupt.
Was den Wert zusätzlich stützt, ist die Art der Käufer. Beim Miura S kaufen viele nicht nur Leistung, sondern ein Stück Designgeschichte. Das bedeutet: Originalität, dokumentierte Besitzhistorie und korrekte Spezifikation zählen oft mehr als eine perfekt polierte Oberfläche. Ein Auto, das ehrlich, vollständig und nachvollziehbar ist, kann am Markt stärker sein als ein überrestauriertes Exemplar ohne klare Historie. Das führt direkt zur Frage, worauf man beim Kauf wirklich achten sollte.
Worauf Käufer und Restaurierer wirklich achten sollten
Beim Miura S reicht es nicht, nach Lack und Glanz zu urteilen. Wer ein solches Auto bewertet, muss technisch und historisch denken. Ich würde niemals nur auf den ersten Eindruck gehen, weil gerade in diesem Segment kleine Abweichungen enorme Auswirkungen auf Wert und Fahrbarkeit haben.
- Matching Numbers prüfen: Motor, Getriebe und Chassis sollten sauber dokumentiert sein.
- Korrosion am Rahmen: Das Auto ist konstruktiv sensibel, und schlechte Vorarbeiten werden teuer.
- Originale Innenausstattung: Schalter, Konsole, Sitze und Details sollten zur Auslieferung passen.
- Richtige Spezifikation: Farbe, Felgen, Reifen und Sonderausstattung beeinflussen die Marktakzeptanz spürbar.
- Werkstattkompetenz: Ein Miura gehört in Hände, die das Modell kennen, nicht in eine beliebige Hochglanz-Restaurierung.
- Dokumentation: Rechnungen, Historie, alte Fotos und Gutachten sind bei diesem Auto fast so wichtig wie die Substanz selbst.
Ein häufiger Fehler ist die Annahme, dass ein frisch restaurierter Miura automatisch der bessere Miura sei. Das stimmt nur, wenn die Restaurierung korrekt und respektvoll ausgeführt wurde. Zu viel Glanz, zu viele moderne Teile oder eine umgearbeitete Spezifikation können den Marktwert sogar schwächen. Gerade beim Miura S wird Authentizität fast immer belohnt, weil Käufer wissen, wie eng Originalität und Begehren zusammenhängen.
Wer einen Kandidaten ernsthaft prüft, sollte außerdem auf die Bedienkräfte, die Temperaturentwicklung und die Sauberkeit des Schaltens achten. Das Auto darf mechanisch lebendig sein, aber nicht gequält wirken. Wenn diese Punkte stimmen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Substanz gut ist. Danach lohnt sich noch die Einordnung im direkten Vergleich mit den anderen Miura-Versionen.
Wie er sich gegen P400 und SV einordnet
Der Miura S steht genau zwischen den Extremen. Der frühe P400 ist die purere, fast schon experimentelle Form. Der SV ist die technisch stärkste und äußerlich markantere Entwicklung. Der S sitzt dazwischen und bietet für viele den überzeugendsten Mittelweg.
| Version | Leistung | Charakter | Warum man sie wählt |
|---|---|---|---|
| P400 | 350 PS | Ursprünglich, radikal, sehr pur | Für Sammler, die die erste Miura-Idee unverfälscht wollen |
| P400 S | 370 PS | Ausgewogener, etwas komfortabler, aber weiterhin ikonisch | Für Fahrer und Sammler, die den besten Gesamtkompromiss suchen |
| P400 SV | 385 PS | Technisch am weitesten entwickelt, optisch markanter | Für Käufer, die das Maximum der Baureihe wollen |
Ich bewerte den S oft als die subtilste und zugleich klügste Wahl. Er verliert nicht die frühe Miura-Magie, gewinnt aber genug Nutzwert, um nicht nur als Vitrinenobjekt zu funktionieren. Der SV ist seltener und noch extrovertierter, der P400 noch roher. Der S steht in der Mitte und wirkt genau deshalb so dauerhaft begehrenswert.
Warum die S-Version für mich der stimmigste Miura bleibt
Wenn ich den Miura nicht nur mit dem Herzen, sondern auch mit dem Kopf betrachte, bleibt die S-Version die logischste Wahl. Sie zeigt das Originaldesign in seiner schönsten Form, korrigiert die gröbsten Alltagsschwächen und bleibt trotzdem unverkennbar der frühe Lamborghini, der alles verändert hat. Diese Balance ist selten, und genau deshalb funktioniert sie bis heute.
Für Interessenten heißt das ganz praktisch: Nicht nur auf PS und Kilometer schauen, sondern auf Historie, Korrektheit und den Zustand der wichtigen Baugruppen. Ein sauber dokumentierter Miura S ist mehr als ein Klassiker. Er ist ein Stück Automobilgeschichte, das man immer noch fahren, erleben und nicht nur bewundern kann.
Wer heute einen solchen Wagen sucht, sollte sich Zeit nehmen, nur bekannte Spezialisten einbeziehen und Originalität klar höher gewichten als oberflächlichen Glanz. Dann wird aus dem Traumwagen kein Risiko, sondern ein außergewöhnlich stabiles Sammlerobjekt mit echtem Charakter.